“Sicherheitssysteme müssen ergonomisch sein – und natürlich sicher“

13 Jahre in Technik und Entwicklung, 15 Jahre im Vertrieb: Detlef Lücke hat sich einen umfassenden Einblick in die Welt von Hochsicherheitslösungen erarbeitet. Dennoch ist der Leiter von INSYS locks nicht müde, neue Ansätze zu finden. Wir haben uns mit dem Diplom-Maschinenbauingenieur über die Entwicklungen in der Finanzwelt, Herausforderungen für Schloss-Hersteller und Neuerungen auf dem Markt unterhalten.

Herr Lücke, Sie sind seit knapp 30 Jahren in der Sicherheitsbranche unterwegs. Was bedeutet Sicherheit für Sie persönlich?
Gute Frage. Ich würde sagen, Sicherheit bedeutet für mich privat ganz grundlegend den Schutz vor Eingriffen von außen. Dabei ist Sicherheit idealerweise etwas, das man kaum merkt. Sie begleitet mich bei den wichtigsten Dingen, passt sich an meine Lebenssituation an, ist aber nicht störend. Wenn ich mein Zuhause betrete, möchte ich keine Tresortür öffnen und einen Pin eingeben müssen. Sicherheitssysteme müssen ergonomisch sein – und natürlich sicher.

Und wofür steht Sicherheit für Sie im beruflichen Kontext?
Der Grundansatz ist natürlich der gleiche: Sicherheit darf kein Hindernis für den Kunden darstellen, soll ihm aber den bestmöglichen Schutz bieten. Lösungen, wie wir sie bei INSYS locks entwickeln, fügen sich demnach optimal in die Prozesse des Kunden ein. Das Stichwort lautet „Convenience“ – so viel Komfort wie möglich. Derartige Lösungen für Kundenprozesse zu entwickeln, finde ich äußerst spannend. Da gibt es viele Herausforderungen und zugleich Chancen.

Wo liegen hier die größten Herausforderungen?
Zunächst muss man den Kundenprozess verstehen – so gut wie kein Ablauf in den unterschiedlichen Unternehmen ist exakt der gleiche. Wenn die Zusammenhäng klar sind, wird meist deutlich, dass verschiedene Schnittstellen zusammenkommen. Oft handelt es sich nicht um eine interne Lösung, sondern um ein Geflecht aus Prozessen und die Zusammenarbeit mit mehreren internen und externen Dienstleistern. Die Herausforderung liegt dann darin, sich in diese ganze Kette aus Schnittstellen von Zuständigkeiten, Software und Hardware möglichst nahtlos zu integrieren.

Wie gehen Sie mit diesen Herausforderungen um?
Ich denke, bei INSYS locks sind wir hierfür aus verschiedenen Gründen besonders gut aufgestellt. Wir sind kein Großkonzern, sondern haben als Mittelständler eine kompakte Mannschaft, in der jeder den individuellen Auftrag sehr gut versteht. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – von der Technik über das Labor bis hin zum Vertrieb – haben direkten Kontakt zu unseren Kunden. Wir alle sehen uns als Dienstleister, die Anforderungen lösen und von Anfang an involviert sind. Das Team ist also ein großer Faktor. Daraus resultiert auch eine weitere Stärke: Die Aufstellung unserer Mannschaft macht uns schnell und flexibel. Durch kurze Wege und dynamische Prozesse können wir ideal auf Kundenanforderungen reagieren.

Und zuletzt: Nach vielen Jahren in der Branche haben wir uns auf allen Ebenen ein sehr gutes Know-how bei Technik und Software angeeignet. Meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter lernen von jedem Auftrag, haben dadurch hohes fertigungstechnisches und prozessuales Wissen und können neue Herausforderungen bei der Lösungsfindung umfassend beleuchten.

Ihre Kunden befinden sich zu einem großen Teil in der Banken- und Finanzwelt. Wird das Thema Sicherheit dort Ihrer Meinung nach im nötigen Umfang gelebt?
Sicherlich hat die Finanzwelt noch nicht alles getan, um sich vor Überfällen, Manipulationen oder Betrugsfällen zu schützen. Das Problem liegt meiner Meinung nach darin, dass insbesondere Banken zu viele Verantwortungen außer Haus geben wollen. Sie übertragen viele sicherheitsrelevante Prozesse an externe Dienstleister. Ich glaube, das ist ein Fehler, weil bestimmte Funktionen – von Sicherheitscodes über Zugangsschlüssel zu Notfallplänen – in die Hand der Banken gehören. Und das hat vor allem einen ganz wichtigen Grund: Sollte doch irgendetwas schief gehen – Irren ist schließlich menschlich – ist die Bank zwar rechtlich abgesichert, aber für die unter Umständen geschädigten Kunden ist nicht der Dienstleister der Schuldige. Die Bank hat am Ende das Imageproblem.

Mit dem Thema Image kämpfen Banken ja mittlerweile häufiger. Es heißt immer öfter, Banking in Deutschland müsse sich radikal ändern. Geht der Trend demnach für Sie in eine verkehrte Richtung?
So grundsätzlich kann man das nicht sagen. Mehr Schritte in die digitale Welt zu machen, ist ja beispielsweise ein guter Weg. So entsteht mehr Flexibilität. Aber – um an meinen vorherigen Punkt anzuknüpfen – Banken vertraute man nun einmal ganz ursprünglich wegen der Sicherheit. Banken waren einmal Orte vollsten Vertrauens. Und dieses Sicherheitsimage geben sie gerade auf, indem sie Vieles aus der Hand geben. Und damit meine ich nicht nur Prozesse, sondern auch Dienstleistungen. Kredite kann ich mittlerweile auch anderswo bekommen. Das Gleiche gilt für Anleihen, Wertpapiere und all das. Die Banken denken häufig nur noch digital und überlassen die Kunden in vielen Bereichen sich selbst. Filialen werden geschlossen, der Kunde soll möglichst alles online erledigen und nicht mehr vorbeikommen. Aber was bleibt dann noch?

Ich denke schon, dass sich Banken auch weiterhin in ihrer Rolle als Orte des Vertrauens positionieren sollten. Sie müssen Filialen erhalten, sich um physische Werte wie Bargeld oder Wertsachen kümmern und darüber hinaus ein Komplettpaket anbieten. Wenn ich zum Beispiel einen Kredit haben will, könnte sich eine Bank um alles kümmern – vom Notartermin bis zum Gutachter. Die Bank der Zukunft sehe ich als zuverlässigen Dienstleister, der für mich um eine ganzheitliche Abwicklung bemüht ist.

Man könnte Ihnen jetzt ganz provokant unterstellen, Sie sagen das nur, um Ihr Geschäft zu sichern. Weniger Filialen bedeuten weniger Tresorräume oder Geldautomaten, an denen Ihre Schlösser und Sicherheitssysteme verbaut sind. Wie stehen Sie dazu?
Man könnte fast diesen Eindruck bekommen. (lacht) Aber nein, ich treffe diese Aussagen nicht des Geschäfts wegen, sondern weil ich es aus meiner beruflichen Erfahrung so beurteile. Denn wissen Sie was? Wenn die Banken das Geschäft rund um Wertsachen oder Bargeld nicht weiter bei sich behalten, übernehmen es einfach andere, die dann auch wieder auf unsere Sicherheitslösungen angewiesen sind. Der Bedarf an Bargeld in Deutschland liegt mit 75% nach wie vor sehr hoch. Das Geschäft wird sich also nur verlagern auf den Nicht-Banken-Bereich. Dann hole ich mein Bargeld eben im Discounter, im Rathaus, im Kino oder an der Tankstelle. Andere übernehmen dann ganz schlicht das Defizit der Banken und auch dort wird es weiter automatisierte Lösungen wie Geldautomaten geben – idealerweise mit Schlössern von INSYS locks.

Ihre Branchenkenntnisse ziehen Sie vermutlich auch aus Ihrem Netzwerk. So arbeiten Sie beispielsweise auf europäischer Ebene bei der Normgebung mit. Was hat es damit auf sich?
Ich bin ein Mitglied der sogenannten WG3, also „Working Group 3“, die sich auf europäischer Ebene mit Hochsicherheitsschlössern befasst.

In dieser Arbeitsgruppe, die vom ECB·S gesteuert wird, sind neben mir auch noch Vertreter von Prüfinstituten, Versicherungen und anderer Hersteller aus ganz Europa repräsentiert. Dazu kommen fachliche Experten und Berater. Gemeinsam erarbeiten wir allgemeingültige Normen für Hochsicherheitsschlösser für den europäischen Raum.

Klingt spannend. Welchen Fokus haben Sie hier aktuell?
Wir arbeiten gerade an einer neuen Norm, der sogenannten EN1300. Hier geht es konkret um „verteilte Systeme“. Das sind Verschlusssysteme, auf die man von einem Netzwerk aus zugreifen und sie steuern kann. Ein Netzwerk kann dabei ein öffentliches Netz, ein klassisches IP-Netz oder ein Intranet sein.

Doch wie kann ich Angriffe von außen vermeiden, wenn Schloss-Systeme von einem Netzwerk aus erreicht werden können? Welche Verschlüsselungen, Protokolle, Firewalls etc. müssen gegeben sein? In der WG3 erarbeiten wir eindeutige Sicherheitsstandards, um europäisch eine einheitliche Zertifizierung zu gewährleisten. Voraussichtlich im nächsten Jahr wird die Norm offiziell in Kraft treten.

Klingt nach einer großen Herausforderung?
Das ist es – aber zugleich auch sehr lohnend. Wir müssen uns der fortwährenden Digitalisierung anschließen. Die Vorteile verteilter Systeme sind ja nicht von der Hand zu weisen. Aber letztlich müssen dann auch die entsprechenden Sicherheitsrichtlinien dafür definiert sein.

Welche Vorteile haben diese verteilten Systeme speziell für Ihre Kunden?
Die allgemeinen Vorteile sind schnell benannt: Zum einen erhöht sich natürlich die Sicherheit. Die Risiken eines Fremdeinwirkens werden minimiert, wenn entsprechend geprüfte Richtlinien eingehalten werden. Zum anderen verringert sich der Personalaufwand, wenn man für Einstellungen am Schloss nicht mehr direkt vor Ort sein muss.

Bei INSYS locks bereiten wir uns schon längst auf die neue Norm vor. Das heißt, dass wir für unsere bestehenden Schließsysteme neue Funktionen entwickeln, die den manuellen Aufwand reduzieren und zudem mehr Eigenschaften zur Verfügung stellen, die den aktuellen Sicherheitsstandards entsprechen. Natürlich haben wir dabei im Blick, dass unsere Netzwerksysteme schon mit hohem Niveau im Einsatz sind und arbeiten darauf hin, dass unsere Kunden mit simplen Updates oder Upgrades gleich gut geschützt sein werden.

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